EU-Kommission empfiehlt Abwasserüberwachung von SARS-CoV-2 und seinen Varianten Finanzierung muss sichergestellt werden

Die EU-Kommission fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, die Abwasserüberwachung auf Corona systematischer zu nutzen und sie in ihre nationalen Teststrategien zur Bekämpfung der Corona-Pandemie einzubeziehen. Bis zum 1. Oktober 2021 sollen sie ein nationales Abwasserüberwachungssystem einrichten. Die kommunale Abwasserwirtschaft in Deutschland hat sich bereits umfassend eingebracht und erwartet eine Finanzierung der weiteren Maßnahmen zur Abwasserüberwachung.

Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten im Umgang mit der Corona-Pandemie aufgefordert, die Abwasserüberwachung auf SARS-CoV-2 und insbesondere seine Varianten systematischer zu nutzen und die Ergebnisse in ihre nationalen Teststrategien zur Eindämmung der Pandemie einzubeziehen. Dazu hat sie am 17. März 2021 eine Empfehlung veröffentlicht. Der VKU unterstützt grundsätzlich das Anliegen einer systematischen Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser. Mit Blick auf eine rechtssichere und praxiskonforme Ausgestaltung der EU-Empfehlungen möchten wir darauf hinweisen, dass die angedachte Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser nicht die notwendige Betriebsbezogenheit zur Aufgabe der Abwasserbeseitigung aufweist, um die dafür auf Seiten der Abwasserentsorger anfallenden Kosten über Abwassergebühren bzw. -entgelte refinanzieren zu können. In der weiteren Umsetzung muss daher insbesondere die Frage der Kostenübernahme durch die für die Pandemiebekämpfung zuständigen Stellen klar geregelt werden.

Der VKU steht zur Umsetzung der Empfehlung in Deutschland mit dem Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt in Kontakt und wird sich in die weiteren Diskussionen auf nationaler und europäischer Ebene einbringen.

Empfehlung der EU-Kommission

Konkret fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten dazu auf, bis spätestens 1. Oktober 2021 ein nationales Abwasserüberwachungssystem einzurichten, um Daten über SARS-CoV-2 und insbesondere seine Varianten im Abwasser zu erheben. Dazu soll mindestens das Abwasser aus Großstädten mit mehr als 150.000 Einwohnern einbezogen werden und mindestens zwei Mal pro Woche eine Probenahme erfolgen. Die Proben sollen nach Ansicht der EU-Kommission am Kläranlagenzulauf oder bei Bedarf bereits im Kanalisationsnetz entnommen werden. Das Vorhandensein des SARS-CoV-2-Virus und seiner Varianten sollte regelmäßig analysiert werden, idealerweise zweimal im Monat.

Die Ergebnisse der Abwasserüberwachung sollen unverzüglich auf elektronischem Wege an die zuständigen Gesundheitsbehörden und danach an eine europäische Austauschplattform, die die EU-Kommission einrichten will, übermittelt werden. Zur Frühwarnung sollten die Ergebnisse für jede Probe so bald wie möglich, vorzugsweise spätestens 48 Stunden nach der Probenahme, aufgezeichnet werden. Um relevante Datensätze zusammenzuführen und die Auswertung zu koordinieren, sollen geeignete Strukturen unter Einbeziehung der für Gesundheit und Abwasserüberwachung zuständigen Behörden eingerichtet werden. Darüber hinaus sollen die Mitgliedstaaten die EU-Kommission bei der Festlegung einschlägiger gesundheitsbezogener Parameter, die regelmäßig im Abwasser zu überwachen sind, unterstützen.

Zur Koordinierung der Reaktionen auf diese Empfehlung sollten die Mitgliedstaaten bis zum 1. April 2021 höchstens zwei Kontaktstellen benennen, die die für öffentliche Gesundheit und Abwasser zuständigen Behörden vertreten. Bereits bis zum 15. Mai 2021 sollen die Mitgliedstaaten außerdem der Kommission über die im Rahmen dieser Empfehlung getroffenen Maßnahmen Bericht erstatten.

Umsetzung in Deutschland

Die kommunalen Abwasserentsorger haben sich bereits seit Beginn der Pandemie umfassend an verschiedenen Projekten zur Untersuchung des Abwassers auf SARS-CoV-2 und seine Varianten engagiert. Beispielhaft seien hier das Projekt „SARS-CoV-2 Abwassermonitoring“ des Umweltforschungszentrums Leipzig, der Technischen Universität Dresden und der DWA und das Projekt „SARS-CoV-2 Genom im Abwasser – Monitoring der Pandemieentwicklung mittels Sequenzierung“ der Technischen Universität Darmstadt genannt. Im Landkreis Berchtesgadener Land wird eine solches Abwassermonitoring seit Anfang des Jahres praktisch erprobt. Auch weitere kommunale Abwasserentsorger entwickeln bereits im Zusammenspiel mit den zuständigen Behörden Aktivitäten zur Abwasserüberwachung auf Corona vor Ort (z.B. Berlin, Karlsruhe).

Der VKU unterstützt grundsätzlich das Anliegen einer systematischen Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser. Vor dem Hintergrund der gegenwärtig geführten fachlichen Diskussion und den zur Verfügung stehenden Kapazitäten zur Analyse von Abwasser auf das Vorhandensein des SARS-CoV-2-Virus und seiner Varianten halten wir die Einrichtung eines bundesweiten Abwasserüberwachungssystems bis zum 1. Oktober 2021 zwar für möglich, aber sehr ambitioniert. Aus Sicht der kommunalen Wasserwirtschaft ist dabei wesentlich, dass die Finanzierung der Maßnahmen der kommunalen Abwasserentsorger im Sinne der Pandemie-Bekämpfung gesichert wird, da die Probenahme einschließlich Transport und Analyse nach Erfahrung der Mitgliedsunternehmen etwa 500 Euro kostet (ca. 300 Euro für den Wildtyp des Corona-Virus, ca. 200 Euro für die Sequenzierung).

Die Erfahrungen der VKU-Mitgliedsunternehmen zeigen, dass sich aus den Abwasseruntersuchungen von Corona potenziell frühzeitige Trends im Hinblick auf die Entwicklung der Pandemie ableiten lassen. Dies ist insbesondere auch bezüglich der Beobachtung der zunehmenden Virus-Variationen bedeutsam. Eine Herausforderung stellen sowohl die Probenahme in der Kläranlage (Einfluss Niederschlagswasser, Entfernung zu Haushalten) und im Kanal (Durchführung der Probenahme) sowie der Transport (Kühlung) und die Analyse der Probe (PCR und Sequenzierung) dar. Der Fund des Genmaterials lässt nicht ohne Weiteres Rückschlüsse auf die Anzahl der infizierten Personen und damit die Inzidenz zu. Dazu sind weitergehende Modellierungen erforderlich.