Wind und Sonne werden zu Konkurrenten

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VKU nimmt Stellung zur BMWi-Verordnung über gemeinsame Ausschreibungen. Seit diesem Jahr gilt im EEG der Grundsatz, dass Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen nur dann gefördert werden, wenn sie erfolgreich an einer Ausschreibung teilnehmen.

Einen Zuschlag erhalten die Projekte, für die der geringste Förderbedarf angemeldet wird. Aufgrund der technologiespezifischen Besonderheiten führt die Bundesnetzagentur separate Ausschreibungen für Windenergie-, Solar- und Biomasseanlagen durch.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant nun für einen Teil des jährlichen Ausschreibungsvolumens im Umfang von 400 MW gemeinsame Ausschreibungen für Windenergie an Land und Solarenergie. Es handelt sich um ein Pilotvorhaben, welches auf den Zeitraum 2018 bis 2020 beschränkt ist und der EU-Kommission aus beihilferechtlichen Gründen zugesagt wurde.

Am 11.04.2017 hat das Ministerium einen entsprechenden Verordnungsentwurf veröffentlicht und eine Verbändekonsultation eingeleitet.
Aus Sicht des VKU sind technologieneutrale Ausschreibungen sehr kritisch zu sehen. In seiner Stellungnahme vom 24.04.2017 führt der VKU aus, dass aufgrund unterschiedlicher Marktgegebenheiten und Projektspezifika eine Differenzierung zwischen Windenergie, Solarenergie und Biomasse unabdingbar ist. Nur so ist sichergestellt, dass in den Ausschreibungen vergleichbare Projekte in einem fairen Wettbewerb gegeneinander antreten und ein kosteneffizienter Ausbau in allen EE-Segmenten fortgesetzt werden kann.

Auch zu dem Instrument der sogenannten Verteilernetzkomponente, die im Rahmen gemeinsamer Ausschreibungen erstmals getestet werden soll, äußert sich der VKU. Dem Ministerium zufolge soll die Verteilernetzkomponente dazu beitragen, dass Projektierer bei der Standortwahl die Netzintegrationskosten mitberücksichtigen. Dazu werden zunächst Gebiete ermittelt, in denen zusätzliche EE-Anlagen einen Netzausbaubedarf auslösen (Verteilernetzausbaugebiete). Gebote in diesen Gebieten werden bei der Gebotsreihung mit einem Aufschlag belegt, der Verteilernetzkomponente. Dadurch verringern sich die Zuschlagschancen für diese Gebote. Aus Sicht des VKU ist es grundsätzlich sinnvoll, einen Anreiz zu setzen, dass die durch Wind- und Solarstrom verursachten Netzausbaukosten von den Bietern berücksichtigt werden, wobei die Lenkungswirkung der Verteilernetzkomponente allerdings fraglich ist. Aus Sicht des VKU wäre es wichtiger, den Netzausbau und Netzumbau voranzutreiben sowie die Entgelt- und Umlagensystematik grundlegend zu reformieren, um die Möglichkeiten für eine verbrauchsnahe Stromerzeugung und Power-to-X zu verbessern.

Um zu vermeiden, dass in bestimmten windstarken Regionen übermäßig hohe Renditen erwirtschaftet werden, ist vorgesehen, dass Gebote für Windprojekte vorab definierte, regional differenzierte Höchstwerte nicht überschreiten dürfen. Aus Sicht des VKU wäre es besser, wenn stattdessen das Referenzertragsmodell, welches sich als Korrektiv gegen eine zu starke regionale Ballung des Windenergieausbaus bewährt hat, auch in den gemeinsamen Ausschreibungen zur Anwendung käme.