Bundesnetzagentur eröffnet Festlegungsverfahren zur Erbringung von Sekundärregelleistung und Minutenreserve durch Letztverbraucher

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Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) verpflichtet die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) über das Strommarktgesetz zur Öffnung ihrer Bilanzkreise für die Vermarktung von Sekundär- und Minutenreserve über Dritte. Die für die Umsetzung des Strommarktgesetzes verantwortliche Bundesnetzagentur (BNetzA) hatte den relevanten Marktteilnehmern im März 2016 angeboten, einen eigenständigen Branchenvorschlag bis Ende 2016 auszuarbeiten.

Unter der Federführung des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne) entwickelten die Stakeholder den Branchenleitfaden Regelleistungserbringung durch Drittpartei-Aggregatoren gem. § 26a Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV). Dieser wurde der Bundesnetzagentur Anfang Dezember 2016 überreicht. Der Leitfaden wird von einer großen Mehrheit der Branchenvertreter unterstützt (z.B. bne, BDEW, GEODE, ÜNB, bitkom und VKU).
Am 29.03.2017 leitete die Beschlusskammer 6 der BNetzA das dazugehörige Festlegungsverfahren ein. Im Rahmen der Festlegung werden zunächst einige Eckpunkte des Branchenleitfadens bis 22.05.2017 zur Konsultation gestellt.

Das Konsultationsdokument macht deutlich, dass die BNetzA Regelungsbedarf ausschließlich im Verhältnis Lieferant und Letztverbraucher sieht und nur die Vorgaben für die erste Phase umsetzen will. Aufgrund einiger parallel laufender Entwicklungen (z.B. Umsetzung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende) hatten die Stakeholder im Leitfaden eine Umsetzung des Aggregatoren-Modells in zwei Phasen vorgeschlagen. Die erste Phase soll mit Inkrafttreten der Festlegung starten. Die zweite Phase soll ab 2020 beginnen.
Bei einigen Themenkomplexen bittet die Regulierungsbehörde um Konkretisierungen aus der Branche. Dies gilt z.B. für die Vorgaben zur vertraglichen Beziehung zwischen Letztverbraucher und Lieferant (u.a. im Zusammenhang mit dem Datenaustausch vor der Vermarktung) sowie beim Thema Lieferpflicht und Datenaustausch.

Sehr kontrovers diskutiert wurden bereits im Rahmen der Ausarbeitung des Branchenleitfadens die Themenblöcke Festlegung eines angemessenen Entgeltes für den BKV/Lieferanten sowie die Anerkennung von Nachholeffekten. Als Nachholeffekt bezeichnet man eine zeitlich der Regelleistungserbringung nachgelagerte Abweichung des Verbrauchsverhaltens des Letztverbrauchers von seinem geplanten Verbrauchsverhalten, wenn diese Abweichung Folge der vorangegangenen Regelleistungserbringung ist.
Die Beschlusskammer 6 sieht aufgrund des sehr begrenzten Wissens über Nachholeffekte bei der Erbringung von Regelleistung mit Verbrauchsanlagen derzeit keine Möglichkeit eines bilanziellen Ausgleichs. Hinsichtlich der Festlegung eines angemessenen Entgeltes für den BKV/Lieferanten bittet die Regulierungsbehörde um Konkretisierungen aus der Branche.

Der VKU wird sich mit einer Stellungnahme an der Konsultation beteiligen. Aus VKU-Sicht sind insbesondere die beiden Punkte Nachholeffekte und angemessenes Entgelt besonders relevant. Der VKU setzte sich in den Branchendiskussionen für eine grundsätzliche Anerkennung von Nachholeffekten ein und forderte ein angemessenes Entgelt für die BKV/Lieferanten.