Flexibilitätsvermarktung bei Stadtwerken

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Mit der Energiewende nimmt der Anteil volatiler Stromerzeugung am Gesamtenergieangebot stetig zu. Erneuerbare Energien sollen in Deutschland zukünftig den Hauptanteil der Energieversorgung übernehmen. Bis 2050 soll ihr Anteil am Bruttostromverbrauch bei mindestens 80 Prozent liegen. Aus den gesetzten Zielen resultieren wichtige Herausforderungen für den Umbau der Energiewirtschaft. Das System muss große Mengen fluktuierender, also nicht-steuerbarer („unflexibler“) Energieerzeugung integrieren. Die Komplexität und die Anforderungen an das Stromversorgungssystem, die sich daraus ergeben werden, nehmen zu.

Notwendige Investitionen werden zu steigenden Kosten führen, mit Folgen für den Strompreis. Damit diese Entwicklung nicht zu einer schwindenden Akzeptanz der Energiewende bei den Endkunden führt, sind geeignete Lösungen und Anreize erforderlich, die einen kosteneffizienten Umbau des Energiesystems unterstützen. Der Gesetzgeber hat mit dem Strommarktgesetz 2016 bereits die Weichen gestellt. Demnach sollen für die Ermöglichung einer kostengünstigen Integration der erneuerbaren Energien das Stromangebot und die Stromnachfrage nutzenbringender aufeinander abgestimmt werden. Dadurch resultiert ein erhöhter Bedarf an Flexibilität. Hier setzt das neue Geschäftsfeld der Flexibilitätsvermarktung an. Die Flexibilitätsvermarktung als Schnittstelle zwischen Angebot und Nachfrage ermöglicht es, die Flexibilitätspotenziale zu erschließen und im Sinne des gesamten Energiesystems kosteneffizient einzusetzen.

Stadtwerke sind in diesem Feld bereits zunehmend aktiv. Denn Anbieter von Flexibilität können einen wirtschaftlichen Vorteil durch die Bereitstellung von Flexibilität aus ihren Erzeugungsanlagen bzw. ihren steuerbaren Lasten erhalten. Hieraus können neue Geschäftsfelder auch für Stadtwerke als Flexibilitätsdienstleister entstehen. Eine Umfrage bei VKU-Mitgliedsunternehmen ergab, dass Stadtwerke sich zunehmend in dem neuen Geschäftsfeld Flexibilitätsvermarktung engagieren. 60% der befragten kommunalen Unternehmen sind bereits in der Flexibilitätsvermarktung aktiv oder planen einen strategischen Einstieg. Die Ergebnisse der VKU-Befragung stützen zudem die Hauptmotivation in der Vermarktung von Flexibilität, die in der Erzielung von Zusatzerlösen liegt.

Der VKU hat gestützt durch diese Erkenntnisse das Themenfeld "Flexibilitätsvermarktung" gemeinsam mit Vertretern aus den Mitgliedsunternehmen in einer Arbeitsgruppe intensiv diskutiert und die Erkenntnisse daraus in einen Handlungsleitfaden "Flexibilitätsvermarktung bei Stadtwerken" einfließen lassen. Der Adressatenkreis umfasst Stadtwerke, welche bereits im Themenfeld aktiv sind oder einen Einstieg in die Flexibilitätsvermarktung planen. Mit dem Leitfaden werden Chancen und Risiken, zu beachtende gesetzliche Rahmenbedingungen und strategische Potenziale aufgezeigt. Außerdem thematisiert der Leitfaden auch Hemmnisse, welche heute noch die breite Etablierung der Flexibilitätsvermarktung und damit der Entwicklung der positiven und politisch gewollten Effekte auf das gesamte Energiesystem erheblich erschweren.

Der Leitfaden wird nach Druckfertigstellung Mitte Februar auf der Homepage des VKU veröffentlicht.