Bundesregierung verabschiedet Nationale Wasserstoffstrategie VKU begrüßt Schaffung eines konzeptionellen Rahmens, sieht aber Lücken.

placeholder ©malp/stock.adobe.com

Die Bundesregierung hat in ihrer Kabinettssitzung am 10. Juni 2020 die lange angekündigte Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Bereits seit Anfang des Jahres befand sich das Papier aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in der Ressortabstimmung. Der VKU begrüßt den nun geschaffenen konzeptionellen Rahmen, auf dessen Basis die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in Deutschland erfolgen kann.

VKU: Lücken müssen in der Ausgestaltung dringend geschlossen werden

Die Nationale Wasserstoffstrategie zeigt in 38 Maßnahmen auf, wie die Entwicklung eines Wasserstoffmarktes unterstützt und bis 2030 insgesamt fünf Gigawatt Elektrolyseleistung errichtet werden sollen. Dafür vorgesehen sind Maßnahmen im Bereich der Erzeugung über Infrastrukturen und Verwendung bis hin zu Forschung und Entwicklung. Jedoch gibt es besonders aus Sicht der kommunalen Unternehmen einige Lücken, die es in der konkreten Ausgestaltung zu schließen gilt.

Die Nationale Wasserstoffstrategie lässt besonders die Potenziale dezentraler Wasserstofferzeugung außer Acht. Als Bezugsquellen für die zukünftig benötigten großen Mengen an grünem Wasserstoff, werden lediglich die industrielle Produktion und der Import genannt. Besonders aber zur Deckung lokaler und regionaler Bedarfe bestehen in der dezentralen Erzeugung Potenziale. Auch das Ergebnis der Einigung der beteiligten Ministerien, bis 2030 fünf Gigawatt Elektrolyseurleistung zu installieren, ist reichlich zurückhaltend formuliert.

Konkrete Maßnahmen, die kurzfristig umzusetzen sind, fehlen der Nationalen Wasserstoffstrategie besonders beim Thema Infrastrukturen. Statt Netzbetreibern der öffentlichen Versorgung beispielsweise den Betrieb reiner Wasserstoffnetze zu ermöglichen, stellt das Strategiepapier lediglich in Aussicht, den regulatorischen Rahmen zu überprüfen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

Wenig Konkretes gibt es auch zum Thema Wasserstoff im Wärmemarkt. Fehlende Projektionen zum Klimaschutzpotenzial von Wasserstoff in der Wärmeversorgung lassen die mangelnde Handlungsbereitschaft der Bundesregierung für den großen Bereich der Wärmeversorgung erkennen. So werden nur wenige Maßnahmen und keine ambitionierten Ziele skizziert.

VKU-Positionspapier greift Lücken des Konzeptes auf

Ein im Mai 2020 verabschiedetes VKU-Positionspapier mit dem Titel „Wasserstoff und kommunale Unternehmen“ greift Lücken der Nationalen Wasserstoffstrategie auf und soll helfen, diese in der Ausgestaltung zu schließen.

Das in spartenübergreifender Zusammenarbeit erstellte Papier enthält ein kommunalwirtschaftliches Narrativ zum Themenkreis Wasserstoff. Die Kernaussage ist:

„Um die Klimaziele erreichen zu können, muss das Energiesystem auf CO2-arme und CO2-freie Energieträger umgestellt werden. Diese können in den erforderlichen Mengen nur dann bereitgestellt werden, wenn man ALLE wirtschaftlich erschließbaren Erzeugungspotenziale hebt und die verlässlichen Infrastrukturen der Gaswirtschaft weitgehend weiternutzt.“

Das Papier enthält die wichtigsten Forderungen, die aus Sicht der VKU-Mitgliedsunternehmen umgesetzt werden müssen, um den Weg in eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft zu ebnen. Dabei dekliniert es die verschiedenen Ebenen der Wertschöpfung, von der Erzeugung über Vertrieb und Distribution bis hin zur Verwendung in den verschiedenen Sektoren durch.