BNetzA veröffentlicht neue Rahmenbedingungen für Sekundär- und Minutenreserve

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Die Beschlusskammer (BK) 6 der Bundesnetzagentur (BNetzA) eröffnete im November 2015 ein Festlegungsverfahren zur Überarbeitung der Rahmenbedingungen für die Sekundärregelung (BK6-15-158) und Minutenreserve (BK6-15-159).

Erklärtes Ziel der Reform, die Teilnahme für dargebotsabhängige Erneuerbare Energien-Anlagen, Anbieter von Lastflexibilität und Speichern zu vereinfachen sowie Optimierungspotentiale im Regelleistungsystem zu heben. Anlass für die Reform des Regelleistungssystems ist das Strommarktgesetz aus 2016, das u.a. auch eine Weiterentwicklung des Ausgleichsenergiesystems zur "Stärkung der Bilanzkreistreue" angestoßen hatte.
Der VKU hatte sich im Rahmen der Konsultationsverfahren über Stellungnahmen und Workshopteilnahmen intensiv in die Diskussion mit eingebracht.
Die BK (6) hat Ende Juni 2017 die neuen Ausschreibungsbedingungen und Veröffentlichungspflichten für die Sekundärregelleistung (SRL) und Minutenreserveleistung (MRL) veröffentlicht.

Eine wesentliche Veränderung in der SRL ist der Wechsel von einer wöchentlichen zu einer kalendertäglichen Ausschreibung. Auch bei der MRL erfolgt eine Umstellung von einer werk-/arbeitstäglichen auf eine kalendertägliche Ausschreibung. Zudem werden bei der SRL - wie bereits bei der MRL - die Produktzeiten deutlich auf vier Stunden verkürzt. Die BNetzA verspricht sich durch diese Anpassungen insbesondere Verbesserungen für Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen. Anlagenbetreibern dürfte es künftig einfacher fallen, effiziente Prognosen und Einsatzentscheidungen ihrer Kapazität vorzunehmen.
Die zukünftige Mindestangebotsgröße beträgt 5 Megawatt (MW), allerdings kann davon in Ausnahmefällen abgewichen werden. Dies soll kleinen Anbietern von Sekundärregelleistung und Minutenreserve eine eigenständige Marktteilnahme ermöglichen.

Im Rahmen des Festlegungsverfahrens wurde auch eine Umstellung von dem Gebotspreisverfahren auf ein Einheitspreisverfahren in der MRL und SRL thematisiert. Der VKU hatte hier vor Schnellschüssen gewarnt und auf mögliche Risiken insbesondere für die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) verwiesen. Die Umstellung auf ein Einheitspreisverfahren könnte die Kostenvolumina im Ausgleichsenergiesystem extrem ansteigen lassen, falls, wie in den vergangenen Jahren vermehrt in der SRL beobachtet, hohe fünfstellige Preise abgerufen würden. Der VKU hatte daher vor der Umstellung für eine gutachterliche Prüfung hinsichtlich der Vor- und Nachteile eines Einheitspreisverfahrens plädiert. Die BNetzA hat sich nun gegen eine schnelle Umstellung entschieden, was der VKU ausdrücklich begrüßt. Unabhängig davon ist auf europäischer Ebene eine mittelfristig anstehende Implementierung der Guideline on Electricity Balancing (GEBL) geplant. Diese sieht eine europaweite Harmonisierung der wesentlichen Bestandteile des Ausgleichs- und Regelleistungssystem vor. Der VKU wird den Umsetzungsprozess kritisch begleiten.