Auftaktworkshop zur Erarbeitung einer Branchenlösung Marktrolle Aggregator

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Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) verpflichtet die Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) über das Strommarktgesetz zur Öffnung ihrer Bilanzkreise für die Vermarktung von Sekundär- und Minutenreserve über Dritte (z.B. Aggregatoren).

Die für die Umsetzung des Strommarktgesetzes verantwortliche Bundesnetzagentur (BNetzA) hat der Branche angeboten, einen eigenständigen Vorschlag für ein Vermarktungsmodell bis Ende September 2016 vorzulegen. Die Erarbeitung dieses Branchenkonsenses läuft unter der Federführung des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (BNE), welcher am 09.05.2016 zu einem ersten Auftaktworkshop lud. Neben dem VKU nahmen u.a. Vertreter von BDEW, Bitkom, Bilanzkreiskooperation (BKK), BNetzA, BMWi, EFET, Eurelectric, Fachverband Biogas, Thüga, Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und VIK an dem Workshop teil.

Im Mittelpunkt des Workshops stand die weitere Ausgestaltung des BNetzA Vorschlages zur nachfrageseitigen Flexibilitätsvermarktung, das sog. Corrected Model. Dabei diskutierten die Teilnehmer insbesondere folgende Aspekte: Bilanzkreiskorrektur, Baselinebestimmung, Energiemengenkompensation und das Thema Vertragsfreiheit.

Im Zusammenhang mit der Bilanzkreiskorrektur wurde seitens des BNE der Vorschlag eingebracht, dies künftig über die ÜNB abzuwickeln. Im Status-Quo korrigieren sowohl Aggregator-Bilanzkreisverantwortlicher (BKV) als auch Lieferant-BKV ihre Bilanzkreise über Day-after Korrekturfahrpläne. Im Falle einer Abwicklung über den ÜNB müsste künftig lediglich der Aggregator dem ÜNB eine bilanzkreisscharfe Überführungszeitreihe übersenden. Aus Sicht des VKU birgt dieser Vorschlag u.a. den Nachteil, dass das Vermarktungsmodell künftig nicht mehr problemlos auf andere Märkte (z.B. Intraday) ausgeweitet werden kann.

Bei der Bestimmung der Baseline ist aktuell unklar, wer diese festlegen soll. Deutlich wurde, dass die ÜNB über eine Methodik zur Berechnung der Baseline für den Abruf von Regelenergie in der Sekundärregelleistungsvermarktung verfügen. So wird für jede Technische Einheit (TE), die an der Regelenergievermarktung teilnimmt, im Rahmen der Präqualifikation eine Methodik für die Berechnung der Baseline festgelegt. Aus Sicht der ÜNB sollte die operative Festlegung, wie die Anlage gefahren worden wäre, wenn der Abruf nicht stattgefunden hätte, von einem anderen Marktakteur übernommen werden. Dies könne z.B. der Aggregator sein.

Im Rahmen der Energiemengenkompensation wurde zunächst der Standardabrechnungsfall diskutiert. Der Standardfall bezieht sich auf die Umsetzung und Abrechnung der nachfrageseitigen Flexibilitätsvermarktung bei Verbrauchern. Der Fall der Vermarktung von Erzeugungs-/Produktionsanlagen wurde bisher nicht berücksichtigt.

Beim Thema "Vertragsfreiheit" wurde vorgeschlagen, die Flexibilitätsvermarktung über den Lieferantenvertrag abzubilden. Aus Sicht des VKU ist es in diesem Zusammenhang unabdingbar, dass der Lieferant die Möglichkeit haben muss, seinen Vertrag anzupassen bzw. zu kündigen, wenn deutlich wird, dass sein Endkunde einen Flexibilitätsvermarktungsvertrag mit einem Dritten abschließt. Für den Lieferanten entstehen in einem Fall der Vermarktung über einen unabhängigen Aggregator Risiken, die er vertraglich berücksichtigen muss. Eine Vertragskündigung muss für den Lieferanten unabhängig von Fristen möglich sein und sollte nicht durch weitere Regulierungsvorgaben verkompliziert werden.

Der nächste Workshop findet am 14.06.16 in Berlin statt. Die weiteren Termine sind festgelegt für den 15.07.16 und 16.09.2016.