Künstliche Intelligenz in der Energie-, Wasserversorgung und Co.: VKU veröffentlicht Ethik-Leitlinien zum Tag der Daseinsvorsorge

Berlin, 23. Juni 2020. Zum heutigen Tag der Daseinsvorsorge veröffentlicht der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) erstmals Ethik-Leitlinien für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in der Daseinsvorsorge, an denen sich kommunale Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer bewährten Leistungen (und Infrastrukturen) der Daseinsvorsorge in der Praxis orientieren können. Ob Smart City oder intelligentes Stromnetz, ob in der Abfallsortieranlage oder im Klärwerk: Bereits heute nutzen kommunale Unternehmen selbstlernende Systeme und viele planen, KI einzusetzen oder den Einsatz auszuweiten. Zu den Leitlinien gehört u.a., dass KI nicht diskriminieren darf (z. B. um sicherzustellen, dass der autonom fahrende Bus nicht nur für bestimmte Personengruppen hält, sondern für alle gleichermaßen), sondern dem Gemeinwohl dienen und die Lebensqualität steigern soll.

Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer: „Die einen sehen in ihr eine Chance, die anderen fürchten sie: Dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in lebenswichtigen Bereichen wie der Daseinsvorsorge Sorgen weckt, verstehen wir als Auftrag, bei der praktischen Anwendung besondere Sorgfalt und Verantwortung walten zu lassen: Denn der digitale Wandel braucht Vertrauen. Für kommunale Unternehmen ist KI ein Werkzeug für kommunale Unternehmen, um durch digitale Daseinsvorsorge die Standort- und Lebensqualität für Wirtschaft und Bürger zu stärken und Lösungen für Klimawandel, Demografie und Stadt-Land-Unterschiede zu entwickeln.

Die Ausgangsbasis ist laut aktuellem Forsa-Institutionenranking gut: 75 Prozent der Deutschen haben großes Vertrauen in die kommunalen Unternehmen. Das ist Platz 4, mit stärkstem Vertrauenszuwachs – und resultiert aus der Verlässlichkeit der Daseinsvorsorge auch auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie. Da man Vertrauen nicht gewinnt, sondern sich erarbeiten muss, wollen wir mit den Ethik-Leitlinien die Weichen stellen, um diesem Vertrauen auch in der digitalen Welt gerecht zu werden. Insofern sind die KI-Leitlinien zum Tag der Daseinsvorsorge auch ein Versprechen an die Menschen: Unser Ziel ist nicht digitale Disruption, sondern den digitalen Wandel zum Wohle aller zu gestalten.“

Die Ethik-Leitlinien zum Einsatz Künstlicher Intelligenz im Überblick:

  1. KI dient dem Gemeinwohl. Ihr Einsatz steht mit den Werten der Kommunalwirtschaft in Einklang.
  2. KI steigert die Lebensqualität der Menschen. KI ist nie Selbstzweck – sie zielt immer auf die Schaffung von Mehrwerten für die Kunden und Bürger ab.
  3. KI wird so eingesetzt, dass Entscheidungen stets transparent, nachvollziehbar, erklärbar und überprüfbar bleiben.
  4. KI führt zu fairen Ergebnissen und diskriminiert nicht.
  5. KI braucht Vertrauen und Verantwortung. Datensicherheit und Datenschutz stehen daher an oberster Stelle.
  6. Die Qualität der Daten ist beim Einsatz von KI von besonderer Bedeutung. Hier ist besondere Sorgfalt geboten.
  7. KI dient den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und Effizienz.
  8. KI muss verlässliche Entscheidungen treffen.
  9. Die Verantwortlichkeit für die Entwicklung von KI bleibt beim Menschen, der sie entwickelt. KI folgt klaren Verantwortlichkeiten auch beim Einsatz.
  10. Der Mensch bleibt oberste Instanz. KI dient als Unterstützung und Werkzeug, niemals als Ersatz für Menschen.

Hintergrund I:

Umsetzung und Anwendungsbeispiele Die praktische Umsetzung der Leitlinien wird der VKU durch den Austausch mit seinen Mitgliedern weiter begleiten. Denn viele kommunale Unternehmen nutzen bereits heute KI. Aktuelle KI-Anwendungen in kommunalen Unternehmen sind u.a.:

  • Chatbots/Sprachassistenzsysteme im Kundenservice: Mithilfe von Chatbots können Kundenanfragen schneller beantwortet werden. Die KI lernt durch jedes „Gespräch“ dazu, was den Service kontinuierlich verbessert.
  • Vorausschauende Wartung von Infrastrukturen, wie Anlagen oder Kanäle: Zum Beispiel werden intelligente Sensoren in Trinkwassernetzen und Abwasserkanälen installiert, um Wasserverluste automatisch und frühzeitig zu erkennen. Das ermöglicht schnellere Reparaturen, wodurch (Tiefbau-)Kosten gesenkt und Ressourcen geschont werden können.
  • Steuerung des smarten Stromnetzes: Durch die Energiewende müssen Erzeugung und Verbrauch vor Ort ausbalanciert werden, damit das Stromnetz stabil bleibt. KI kann den kontinuierlichen Datenstrom von Erzeugungsanlagen, Verbrauchern und Leitsystemen zur Netzsteuerung in Echtzeit analysieren und reagieren. Das hilft, das Netz wirtschaftlich optimal zu betreiben und die Versorgungssicherheit zu stärken. Auch kommt die Energiewende in anderen Sektoren wie dem Verkehr voran, indem KI etwa die Verbrauchsmuster von E-Ladesäulen erkennt.

Weiterführende Informationen zu den Ethikleitlinien für Künstliche Intelligenz finden Sie unter: vku.de/ki-leitlinien.

Hintergrund II: Digitale Daseinsvorsorge

Daseinsvorsorge bedeutet die Versorgung mit grundlegenden, lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen: Kommunale Unternehmen versorgen das Land mit Wasser, Strom und Wärme sowie schnellem Internet und entsorgen Abwasser und Abfall – in Stadt und Land, rund um die Uhr; sicher und bezahlbar. Entsprechend elementar ist Daseinsvorsorge für die Wettbewerbsfähigkeit und den Zusammenhalt in Deutschland. Sie leistet damit auch einen entscheidenden Beitrag, das Versprechen gleichwertiger Lebensverhältnisse einzulösen. Die dabei anfallenden Daten wollen kommunale Unternehmen nutzen, um die Daseinsvorsorge weiterzuentwickeln – hin zu smarten Städten und Regionen, um das Leben aller spürbar besser zu machen. Beispiele sind intelligente Netzsteuerung für Energiewende und Klimaschutz oder autonomes Fahren für besseren ÖPNV in ländlichen Regionen.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit mehr als 275.000 Beschäftigten wurden 2018 Umsatzerlöse von rund 119 Milliarden Euro erwirtschaftet und mehr als 12 Milliarden Euro investiert. Im Endkundensegment haben die VKU-Mitgliedsunternehmen große Marktanteile in zentralen Ver- und Entsorgungsbereichen: Strom 62 Prozent, Erdgas 67 Prozent, Trinkwasser 90 Prozent, Wärme 74 Prozent, Abwasser 44 Prozent. Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen durch getrennte Sammlung entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 67 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Immer mehr kommunale Unternehmen engagieren sich im Breitbandausbau. 190 Unternehmen investieren pro Jahr über 450 Mio. EUR. Sie steigern jährlich ihre Investitionen um rund 30 Prozent. Beim Breitbandausbau setzen 93 Prozent der Unternehmen auf Glasfaser bis mindestens ins Gebäude.