Pressemitteilung

VKU: Veröffentlichte Eigenkapitalzinssätze der Bundesnetzagentur erschweren Verteilnetzausbau deutlich

Berlin, 12.10.2016. „Die Verteilnetze sind die Schlüsselinfrastruktur des deutschen Energiesystems. Ohne sie kommt kein Strom in die Haushalte. Durch die Energiewende gibt es in den Verteilnetzen einen erheblichen Investitionsbedarf. Diese Investitionen werden allerdings nur dann erfolgen, wenn die Eigenkapitalzinssätze angemessen sind und Investitionen auch tatsächlich zurück verdient werden können.
 
Leider ist der Zinssatz auf dem ursprünglich von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Niveau von 6,91 Prozent für Neu- und 5,12 Prozent für Altanlagen geblieben. Er ist damit niedriger als in den meisten anderen Ländern der EU. Damit steigen die unternehmerischen Risiken und Wagnisse der Verteilnetzbetreiber, weil sie energiewendebedingt vor erheblichen Herausforderungen stehen. Die Absenkung um rund 25 Prozent für Neu- und rund 28 Prozent für Altanlagen gegenüber der letzten Regulierungsperiode hat massive negative Auswirkungen auf die Erlössituation der Verteilnetzbetreiber. In den nächsten zehn Jahren müssen sie bis zu 28 Milliarden Euro investieren. Mit dem von der Bundesnetzagentur heute veröffentlichen Zinssatz wird der Verteilnetzausbau nunmehr deutlich erschwert.
 
Die Versorgung mit Strom braucht aber eine leistungsfähige Infrastruktur vor allem vor Ort. Systemsicherheit und -Stabilität werden auf Grund des Ausbaus der erneuerbaren Energien stärker eine lokale und regionale Aufgabe werden. Wir plädieren deshalb für einen zellularen Ansatz, in dem Strom, soweit möglich, lokal und regional erzeugt, gespeichert und verbraucht wird.“

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt rund 1.460 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft sowie Telekommunikation. Mit über 262.000 Beschäftigten wurden 2015 Umsatzerlöse von mehr als 115 Milliarden Euro erwirtschaftet und rund 11 Milliarden Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment große Marktanteile in zentralen Versorgungsbereichen (Strom 60 Prozent, Erdgas 65 Prozent, Trinkwasser 87 Prozent, Wärmeversorgung 69 Prozent, Abwasserentsorgung 42 Prozent). Sie entsorgen jeden Tag 31.500 Tonnen Abfall und tragen entscheidend dazu bei, dass Deutschland mit 66 Prozent die höchste Recyclingquote in der Europäischen Union hat. Die kommunalen Unternehmen versorgen 5,7 Millionen Kunden mit Breitband. Bis 2018 planen sie Investitionen von rund 1,7 Milliarden Euro, um dann insgesamt 6,3 Millionen Menschen an schnelles Internet anschließen zu können.