Nachruf! Abschied von Walter Hartwig

Walter Hartwig ist für alle unerwartet am 1. April 2020 verstorben.

Als virtuoser Jurist, als uneitler Streiter für die kommunale Entsorgungswirtschaft, als rastloser Mahner und Macher für eine ökologische Abfallwirtschaft und als hilfsbereiter, zugewandter Kollege wird Walter Hartwig uns allen sehr fehlen! Die Vorstellung, dass es ihn nicht mehr gibt, dass wir ihn nicht mehr anrufen können und umgehend eine durchdachte Antwort auf unser Problem erhalten, dass es Sitzungen zum Verpackungsgesetz ohne ihn gibt, ist so irreal für alle, die seine Präzision und Zuverlässigkeit in den letzten 25-30 Jahren selbst miterlebt haben. Sein plötzlicher Tod in dieser ohnehin surrealen Atmosphäre der Corona-Pandemie reißt eine große Lücke in unser kommunales Netzwerk.

Walter Hartwig konnte insbesondere beim Verpackungsgesetz und bei allen Verhandlungen mit den dualen Systemen keiner das Wasser reichen – er konnte so viele Details und so viele Entwicklungshintergründe abrufen, dass selbst Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums gelegentlich nur noch staunen konnten. Die Kollegen der privaten Entsorgungswirtschaft haben im besten Sinne des Wortes unter Walter Hartwig gelitten, wenn er ohne erkennbare Emotionen präzise analysierte, diagnostizierte und prognostizierte – am Ende stand aber immer eine ausgewogene und versöhnliche Lösung, mit der alle Beteiligten in der Regel auch leben konnten.

Seine ersten abfallwirtschaftlichen Meriten hat sich Walter Hartwig als Umweltjurist im Landratsamt Miesbach erarbeitet. Dabei hat er schon Ende der 1980er Jahre maßgeblich die Umsetzung eines für die damalige Zeit klug durchdachten Abfallwirtschaftskonzeptes vorangetrieben. Im Vordergrund standen – nahezu sensationell – die Vermeidung von Abfällen, ihre stoffliche Verwertung und dann erst die traditionelle Beseitigung. Konsequenterweise wurde die Intensivierung der Getrenntsammlung durchgeführt und bereits 1989 der erste von später insgesamt 19 Wertstoffhöfen im Landkreis Miesbach eröffnet. Auch die frühzeitige Einführung der Bio-Tonne war für den Gründungsgeschäftsführer der VIVO nur konsequent. Seine abfallwirtschaftlichen Spuren hat Walter Hartwig als Vorstand des kommunalen Abfallwirtschaftsunternehmens VIVO, Warngau, noch deutlich verfestigt durch den Bau eines Wertstoffzentrums mit Kompostierungsanlage und Sortieranlage für PPK und Leichtverpackungen. Mit der Übernahme der Abfuhr von Rest- und Biomüll mit eigenem Personal und eigenem Fuhrpark hat Walter Hartwig die Position des Unternehmens gegenüber der privaten Entsorgungskonkurrenz mit einer breiten Leistungspalette frühzeitig und mit Weitsicht stabilisiert. Besonders in Bayern und später auch bundesweit hat sich Walter Hartwig in zahlreichen Arbeitskreisen, Gremien und Organisationen der kommunalen Abfallwirtschaft mit seinen Erfahrungen und seiner fachlichen Kompetenz eingebracht. Er war sehr engagiert in der Bayerischen Landesgruppe des VKS und hat die Landesgruppenfachtagungen regelmäßig mit fundierten Fachvorträgen bereichert. Er hat dabei beharrlich und mit viel Herzblut für eine ökologische Ausrichtung der Entsorgungswirtschaft gestritten. Mit seinem großen Erfahrungsschatz aus der Alltagspraxis konnte er seine Gesprächspartner bestens überzeugen und mit seinem Rat als Spezialist rund um die Fragen der dualen Systeme und des Verpackungsgesetzes die Kollegen über Jahre unterstützen. Besonders bedauerlich ist, dass Walter Hartwig nicht mehr miterleben kann, wie auch seine intellektuelle Präzision den neuen Standardkommentar zum Verpackungsgesetz maßgeblich prägen wird. Mit dem baldigen Erscheinen dieses Kommentars ist glücklicherweise sichergestellt, dass sich alle Beteiligten in den nächsten Jahren dankbar an Walter Hartwig erinnern werden, wenn sie in diesem Werk Klarstellungen und Lösungen für ihre Probleme finden werden.

Wir haben einen langjährigen Freund und Weggefährten in unterschiedlichen Positionen miterleben dürfen. Wir alle haben seine Leidenschaft für die Sache, seine Beharrlichkeit und seine Zuverlässigkeit geschätzt und sind dankbar, dass er jederzeit ein offenes Ohr für uns hatte. Seinen guten Rat und seine freundliche, zugewandte Art werden wir alle sehr vermissen. Wir verlieren mit Walter Hartwig einen Menschen, der das Fachgebiet der kommunalen Abfallwirtschaft maßgeblich mitbegleitet und gestaltet hat. Sein Wirken war geprägt von großem persönlichen Engagement, von Weitsicht und Wertschätzung. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner lieben Familie, die aufgrund seines bundesweiten Engagements sicherlich oft auf ihn verzichten musste.

Wir verneigen uns in Respekt vor seiner Lebensleistung und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wir werden ihn bei vielen Gelegenheiten sehr schmerzlich vermissen.

Patrick Hasenkamp
- Vizepräsident VKU-

Ulrich Koch
- Fachausschuss Recht-

Georg Krieger
- Fachausschuss Wertstoffwirtschaft-

Dr. Holger Thärichen
- Geschäftsführer Sparte Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit-