Dezember 2016: BNetzA veröffentlicht Prozesse für den Interimszeitraum

Festlegungsverfahren zur prozessualen Anpassung der Marktkommunikation im Zuge des GDEW

weißer Smart Meter

20.12.2016. Festlegungen zur prozessualen Anpassung der Vorgaben zur elektronischen Marktkommunikation an die Erfordernisse des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende getroffen [Az.: BK6-16-200/BK7-16-142]

Die Beschlusskammern 6 und 7 (Strom/Gas) der Bundesnetzagentur (BNetzA) haben am 20.12.2016 die finalen Dokumente zur prozessualen Anpassung der Marktkommunikation im Strom- und Gassektor im Zuge der Umsetzung des „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ (GDEW) veröffentlicht. Nach Ablauf der im Markt notwendigen IT-Umstellungsarbeiten soll damit die Einführung intelligenter Messsysteme (iMS) und moderner Messeinrichtungen (mME) mit den dafür notwendigen Marktprozessen massengeschäftstauglich unterstützt werden. Diese sind vornehmlich ab 01.10.2017 verbindlich beim Austausch über die elektronische Kommunikation mit den Marktakteuren von den Unternehmen bzw. Akteuren anzuwenden. Dieser Termin markiert somit den aktiven Beginn des sog. Interimszeitraums beim Smart-Meter-Rollout, welcher am 31.12.2019 endet.

Basierend auf den gemeinsam von den Verbänden VKU und BDEW seit Anfang des Jahres 2016 erarbeiteten prozessualen Anpassungen der Festlegungen (GPKE, GeLi Gas, WiM und MPESt) hatte die BNetzA am 12.09.2016 das Festlegungsverfahren – mit Fokus auf den Stromsektor – eröffnet. Hierzu hatten VKU und BDEW die gemeinsame, verbändeübergreifende Stellungnahme fristgerecht am 14.10.2016 übermittelt.

Die wichtigsten Punkte aus dem Festlegungsverfahren werden nachfolgend übersichtsweise dargestellt. Eine detaillierte Auswertung der Dokumente erfolgt dann Anfang 2017 über die Gremieninformationen.

  • Einführung des sog. „Interimsmodell“:
    Wie bereits angekündigt führt die BNetzA mit der getroffenen Festlegung ein sog. "Interimsmodell" für die elektronische Marktkommunikation ein. Dabei wird für einen Übergangszeitraum vom 01.10.2017 bis voraussichtlich 01.10.2019 angeordnet, dass (abweichend zu § 60 MsbG) die Aufbereitung und Verteilung von Messwerten aus intelligenten Messsystemen nach MsbG zunächst wie bisher über den örtlichen Verteilnetzbetreiber organisiert wird. Damit macht die BNetzA Gebrauch von der entsprechend angelegten Festlegungsbefugnis (§ 75 MsbG), mittels befristeter Ausnahme von der künftigen Verteilung von Messwerten direkt aus den jeweiligen Smart-Metern ("sternförmige Verteilung") abzuweichen. Dies ist zwingend notwendig, um kurzfristig (bis Oktober 2017) die erforderlichen Mindestanpassungen aller IT-Systeme der Netzbetreiber, Lieferanten und Messstellenbetreiber bundesweit zu erreichen.
  • Harmonisierung der Bereiche Strom und Gas:
    Die BNetzA erachtete bereits bei den im Vorfeld erarbeiteten prozessualen Anpassungen eine möglichst hohe Prozesshomogenität zwischen den Regelungen des Strom- und des Gassektor als zielführend. Die Prozesse der beiden Festlegungen wurden daher möglichst deckungsgleich ausgestaltet.
  • Wechselprozesse im Messwesen (WiM): Aufhebung im Gasbereich
    Hinsichtlich der Wechselprozesse im Messwesen (WiM) für den Gassektor hat die Beschlusskammer 7 die bislang geltende Regelung aufgehoben. Von einer neuen Festlegung für den Gassektor im Interimsmodell wurde abgesehen, um den Marktbeteiligten ein hohes Maß an Flexibilität bei der Implementierung des bislang inhaltlich und zeitlich primär auf den Stromsektor zugeschnittenen Regelungsrahmens zu gewähren. Die Beschlusskammer 7 hat die Änderung der GeLi Gas in der Form einer Änderungsfestlegung erlassen. Die vorgenommenen Änderungen sind in der Anlage 1 zur vorliegenden Entscheidung im Wege des Änderungsmodus kenntlich gemacht. Um die endgültige Fassung der GeLi Gas, die sie durch die vorliegende Änderung erlangt, einfacher darstellen zu können, hat die Beschlusskammer zusätzlich eine konsolidierte Lesefassung der Prozesse erstellt. Diese bildet den Stand der ab dem 01.10.2017 anzuwendenden Prozesse ab.
  • Ausblick auf das Zielmodell:
    Die Vorbereitungen auf die Umstellung der gesamten Marktkommunikation auf die sternförmige Verteilung im Sinne eines so genannten "Zielmodells" gemäß MsbG wird sodann einem weiteren umfangreichen Festlegungsverfahren der BNetzA vorbehalten bleiben, deren Vorbereitungsarbeiten (analog den Vorarbeiten zum Interimsmodell) unmittelbar zu Beginn 2017 starten.
  • Alle Marktlokationen (Strom- und Gasbereich) erhalten Identifikations-ID:
    Die Betreiber von Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetzen werden verpflichtet, spätestens bis zum 01.02.2018 flächendeckend alle Marktlokationen mittels einer eigenständigen Identifikationsnummer zu identifizieren (Marktlokations-ID).
  • EDIFACT-Nachrichten mittels Signatur und Verschlüsselung absichern:
    Die Übermittlung sämtlicher EDIFACT-Nachrichten zur elektronischen Marktkommunikation nach den zu dieser Festlegung enthaltenen Prozessdokumenten (GPKE, GeLi Gas, WiM, MPES) sowie nach der Festlegung BK6-07-002 (MaBiS) ist spätestens ab dem 01.06.2017 mittels Signatur und Verschlüsselung abzusichern.
  • Bereitstellung erforderlicher Zählpunkte:
    Betreiber von Elektrizitätsversorgungsnetzen werden verpflichtet, spätestens ab dem 01.10.2017 die Bereitstellung erforderlicher Zählpunkte nach § 20 Abs. 1d EnWG zur Ermöglichung des Lieferantenwechsels für innerhalb von Kundenanlagen angeschlossene Haushaltskunden jeweils innerhalb von 10 Werktagen, gerechnet ab Übermittlung aller für die Zählpunktbereitstellung erforderlichen Daten von Seiten des Betreibers der jeweiligen Kundenanlage, sicherzustellen. Hierzu sind sie insbesondere verpflichtet, bis spätestens zum 01.06.2017 eine einheitliche Geschäftsprozessbeschreibung sowie ein entsprechendes einheitliches Excel-Formular (XLS) zur Abwicklung zu entwickeln und zu veröffentlichen.
  • Prozessuale Festlegungen: GPKE, Geli Gas, WiM und MPES:
    Im Strom- wie auch Gasbereich werden ab 01.10.2017 in den Festlegungen GPKE, WiM, MPES und GeLi Gas jeweils neue Anlagen anzuwenden sein bzw. diese nach Maßgabe aufgehoben.
  • Abschaffung „rückwirkender Ein-/Auszüge“:
    Im Zuge der eingegangenen Rückmeldungen wird die BNetzA zunächst für das Interimsmodell die Möglichkeit rückwirkender Ein- und Auszüge bei SLP-Kunden beibehalten. Allerdings soll der Kreis derjenigen Kundengruppen, die hiervon Gebrauch machen können, nicht weiter gezogen werden als im jetzigen Status quo:
    Strombereich: rückwirkende Ein- und Auszüge sind weiterhin ausschließlich Kunden vorbehalten, die über eine konventionelle Messeinrichtung mit Arbeitszählung und SLP-Bilanzierung verfügen. Alle Kunden, die über eine registrierende Leistungsmessung verfügen oder deren Zähler an ein Gateway eines iMS angeschlossen sind (unabhängig von der Bilanzierungsart), sollen nur Meldungen in die Zukunft hinein vornehmen können.
    Gasbereich: Bei SLP-Entnahmestellen sind 6 Wochen rückwirkende Ein- und Auszüge möglich. Ein Wechsel des Bilanzierungsverfahrens zur stündlichen Bilanzierung kommt, unabhängig von den verwendeten Messeinrichtungen, nur bei Erreichung der Schwellenwerte nach § 24 Abs.1 GasNZV (stündliche Ausspeiseleistung von 500 Kilowattstunden pro Stunde, jährliche Entnahme von 1,5 Millionen Kilowattstunden) in Betracht. Wird der Schwellenwert erreicht und die Entnahmestelle folglich künftig mittels registrierender Leistungsmessung stündlich ausgelesen und bilanziert, sind rückwirkende Ein- und Auszüge nicht mehr möglich.

Das GDEW ist am 02.09.2016 in Kraft getreten und enthält als zentrales Element das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) mit den Regelungen für den „Smart-Meter-Rollout“. Die damit einhergehende Ausbringung neuer Messtechnik erfordert für eine erfolgreiche Integration in das System der elektronischen Marktkommunikation weitreichende prozessuale Anpassungen. Zugleich ersetzt das MsbG die Messzugangsverordnung (MessZV) und die §§ 21b-21i EnWG.

Mit der Festlegung der Interims-Prozesse durch die BNetzA endet das erste Ziel der verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe. Mit der nahtlos anschließenden Erarbeitung der Prozesse für das Zielmodell ab 2020 beginnt die weitaus kritischere zweite Phase der verbändeübergreifenden Arbeit - denn ab 2020 sind dann alle Regelungen des GDEW verbindlich anzuwenden und umzusetzen. Dies betrifft u. a. die strikte Anwendung der sternförmigen Kommunikation und ebenso die Verlagerung der Aufgabe der Aggregation der Messwerte im Rahmen der Bilanzkreisabrechnung hin zum Übertragungsnetzbetreiber.

Weitere VKU-Unterstützung zum Rollout – Umsetzungshilfe MsbG
Die Unterlagen zum Festlegungsverfahren finden auf der Seite der BNetzA als auch auf der entsprechenden VKU-Internetseite. Dort sind zudem alle bisherigen VKU-Unterlagen zum Rollout unter Digitalisierung EW/Smart Meter Rollout für Sie zum Abruf bereit. Zudem hat der VKU als Hilfestellung für Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber eine Umsetzungshilfe zu den wesentlichen rechtlichen Regelungen und relevanten Fragestellungen zum Messstellenbetriebsgesetz erarbeitet.

Anlagen
161220_BK6_16_200_Beschluss
170119_BK6_16_200_Anlage_1_GPKE_mit Fehlerkorrektur
170119_BK6_16_200_Anlage_2_WiM_mit Fehlerkorrektur
170119_BK6_16_200_Anlage_3_MPES_mit Fehlerkorrektur
161220_BK6_16_200_Anlage_4_MPES_Formular (Excel-Datei, 21,4 KB)
161220_BK6_16_200_Anlage_5_EDI_Übertragungsweg
161220_BK7_16_142_Beschluss
161220_BK7_16_142_GeLi_Gas_Lesefassung
161220_BK7_16_142_Anlage 1
161220_BK7_16_142_Anlage 2

Ansprechpartner
Christian Richter